Wanderfalken in Damme

 

Der männliche Wanderfalke in Abwehrhaltung: Im Kunsthorst am Richtfunkturm Damme 1 mitten in den Dammer Bergen haben die Vogeleltern bisher bereits zwei Jungtiere ausgebrütet, ein weiteres Ei liegt noch bereit. Fotos: Kathe

 

 

Kreis Vechta -

Majestätisch zieht ein großer Greifvogel seine Kreise um den Richtfunkturm der Telekom mitten in den Dammer Bergen. In 75 Metern Höhe fliegt er einen unscheinbaren Holzkasten an, der direkt unter der großen Plattform des Turmes hängt: ein Kunsthorst, von Naturschützern angebracht und seit kurzem Heimat eines Wanderfalkenpaares und bislang zweier Jungtiere. Für Ulrich Heitmann ist dies eine Sensation: "Soweit uns bekannt, ist das seit langer Zeit das erste Wanderfalkenpaar, das in unserem Landkreis Nachwuchs großzieht."
Mit dem Kreisvorsitzenden des Naturschutzbundes Heitmann, seinem Stellvertreter Rolf Grösch sowie den Telekom-Mitarbeitern Uli Frye und Ralf Hatwich geht es den Turm hinauf - per Aufzug zunächst auf Plattformhöhe (85 Meter; der gesamte Turm ist 134 Meter hoch). Ein paar Treppenabsätze tiefer wird vorsichtig und abgesichert draußen der Bootsmannssteg betreten, über dem der Kasten hängt.
Das Männchen ist im Horst, faucht, breitet die Schwingen aus und will den Nachwuchs verteidigen. Doch dem geschieht nichts, den Uli Heitmann registriert im Auftrag des Naturschutzbundes nur, mit wievielen Tieren der Kasten belegt ist. Ein paar Fotos werden zur Dokumentation gemacht, dann geht es zurück in den Turm.
Für die Wanderfalken ist der in den Jahren 1973 bis 1975 errichtete Turm, über den heute noch eine Richtfunkstrecke und mehrere UKW-Sender laufen, der ideale Platz. Heitmann: "An ähnlichen Türmen in Osnabrück und Belm-Icker gibt es ebenfalls künstliche Horste, die von den Tieren angenommen werden." Der Naturschutzbund will die Tiere in den Dammer Bergen nun auch weiter aufmerksam beobachten und hofft, an weiteren hohen Bauwerken im Kreis ähnliche Nisthilfen anbringen zu können.
Wanderfalken (falco peregrinus) sind die größten bei uns heimischen Falken. Bis heute sind sie die Lieblingsvögel der Falkner und daher "königliche Tiere".
Ende der 70er Jahres des letzten Jahrhunderts waren Wanderfalken in Mitteleuropa fast ausgestorben. Sie sind deshalb auch besonders geschützt. Mittlerweile sind wieder vermehrt Bruterfolge in Deutschland nachgewiesen, die Tierart ist aber weiter als "stark gefährdet" eingestuft.
Bevorzugte Nistplätze und Sitzwarten sind sehr hohe Gebäude wie eben der Dammer Richtfunkturm. Von dort aus gehen die Elterntiere auf Beutezug, wobei besonders Vögel bis etwa Tauben- oder Drosselgröße ihre Nahrung bilden.


Dieser schöne Artikel stand am 12.Mai 2005 in der Oldenburgischen Volkszeitung

 

Ich hoffe, dass man noch mehr von diesem Pärchen öfter was erfährt und wünsche ihm viel Erfolg mit ihren Küken :-)